Voss-Straße 7

Bücher tauschen

Kennt Ihr das auch: man kauft sich ein Buch, liest es einmal, vielleicht auch ein zweites Mal und stellt es später ins Regal. Irgendwann ist das Regal dann voll, und zwar so voll, dass man nicht mal mehr quer über den Büchern, also in zweiter Reihe, eine Lektüre vorübergehend parken könnte. Die Regalböden biegen sich deutlich durch, und wie das aussieht, meint Z.R., also ästhetisch sei was anderes.

Dann hat man zwei Möglichkeiten, entweder man packt die alten Schmöker in eine dunkle, große Kiste und stellt sie in den Keller, oder man wirft sie weg. Beides ist eigentlich nichts anderes als das Ausrangieren gelesener Materie, das Beseitigen gedruckter Abenteuer, das Vernichten geliebter Poesie und spannender Romane, das Liquidieren guter Ratgeber oder Lebensweisheiten. Und von welchem der Bände kann oder will man sich trennen?

Zugegeben, es ist tatsächlich eine Weile her, dass ich eines dieser literarischen Werke gelesen habe. Und eigentlich ist das Gedruckte ja verinnerlicht, man hat mitgefiebert, geliebt, die ein oder andere Träne vergossen, man war gespannt oder hat sich erheitert – jedes einzelne Buch wurde konsumiert. Und trotzdem kann man so schwer loslassen, oder gerade deswegen? Als ich mir noch Bücher aus Bibliotheken geliehen habe, hatte ich diesen Trennungsschmerz nicht. Das lag wahrscheinlich an den hohen Überziehungsgebühren, die meine damals beharrlich leere Geldbörse empfindlich getroffen hätten.

Es soll Menschen geben, die ihre Lieblingsromane oder Gedichtbände täglich in ihren Taschen bei sich tragen. Ich finde das zwar charmanter als Hunde darin zu befördern, aber  zu dieser Sorte gehöre ich definitiv nicht. In meiner Handtasche findet sich höchstens Papier in Form von Skizzenblöcken, Rechnungen oder geknickten Visitenkarten. Eigentlich weiß ich gar nicht, wie sich dieser Buchladen in meinem Regal ansammeln konnte, es ist mir ein Rätsel! Ich sollte mir ein Kindel kaufen, oder anbauen und eine Bibliothek einrichten.

Eine Alternative wäre auch die Voss-Straße Nr. 7, Münchens erster Freiluft-Buchbazar, für den kostenlosen Austausch, haptischer Lesematerie. Noch ist das Büchereck etwas leer, aber nicht mehr lange, dann wird sich dort ein halber Buchladen aus der Waldeckstraße Nr. 5 finden, freut euch! Und nein, ich habe mich nicht für ein Kindel entschieden, noch nicht! (Heißt das eigentlich „der Kindel“, „das Kindel“ oder Kindle? Fragen über Fragen)

Prädikat: Bleisatz!

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2 Kommentare zu “Voss-Straße 7

  1. Der Z.R. hat recht: ästhetisch ist anders … Zumindest wenn man ihn kennt. Bücher auf Stühlen hochlagern geht schon mal gar nicht. :)) Super Idee. Meine Schwester hat mir von solchen Ecken auch in Riem erzählt, wo einfach per Regal getauscht wird. Ich würd‘ sagen: der Kindle (wegen dem „Reader“).
    Gruß, die Buchstaplerin

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