Liebe Luise

… würdest Du mich heute in meiner Küche besuchen,  hättest du deine wahre Freude. Auf dem Tisch liegen 4 Kilo vollreife Zwetschen, die entkernt werden wollen, ein Pfund Zucker, Slibowitz, Zimt und ein Turm aus leeren Gläsern. Es ist Marmeladenzeit. So langsam füllen sich die Regale in meinem Schrank. Letztes Wochenende wurde für Z.R. Aprikosenmarmelade gekocht und heute koche ich für mich Powidl (Pflaumenmus).

la papetina - Marmeladenetiketten

la papetina – Marmeladenetiketten

Deine Enkeltochter, heute meine Mutter meinte, du hättest Pflaumenmus genauso gerne gegessen wie ich. In kleinen, grauen Steingutfässchen habt ihr es im Herbst gekauft und es schmeckte damals mindestens so lecker, wie selbst gekochtes. Heute ist das selbst gemachte die feinere Variante. Deshalb gebe ich die inzwischen entkernten und halbierten Zwetschgen zusammen mit dem Zucker in einen großen Topf. Eine kräftige Prise Zimt darüber gestreut werden sie aufgekocht, bis die Masse flüssig ist.

la papetina - Marmeladenetiketten

Anschließend müssen die flüssigen Pflaumen reduzieren, damit das Mus seinen feinherben Geschmack und die streichfeste Konsistenz bekommt. Dazu fülle ich es in eine große Reine, übrigens ein Geschenk deiner Enkeltochter.  Bei 150 Grad kocht es  5-6 Stunden ein. Zeit mal wieder in alten Fotoalben zu stöbern …

Schön muss es damals bei euch gewesen sein, in dem kleinen Häuschen, inmitten saftig, grüner Wiesen, unweit von Obersdorf. Mit Blick auf die Sulzburg habt ihr euer Zuhause liebevoll „das Mooshäusle“ genannt. Dahinter befand sich ein kleiner idyllischer Garten. Ich bin mir sicher, wären dort Zwetschgen-Bäume gewachsen, hättet ihr Powidl sicher selbst gemacht. Was heute zum Schwelgen mit bunten und üppigen Blumen bepflanzt wird, sicherte damals als reiner Nutzgarten das Überleben der eigenen Familie. Als jüngstes Kind einer zehnköpfigen Familie hast du viele deiner Geschwister schon im Kindesalter verloren.

Als junge Frau war die Entscheidung alleine für deine Tochter Augusta zu sorgen, gänzlich deine eigene. Und das hast du prima gemeistert. Damals war das mit Sicherheit nicht einfach. Ein großer Sprung durch sonnige und traurige, auf jeden Fall bewegte Zeiten. Heute hast du 5 Urenkelkinder und genauso viele Ururenkel. Liebste Urgroßmutter, hättest du mich heute in meiner Küche besucht, es hätte dir geschmeckt mein Powidl – ja, bestimmt so gut wie das in den kleinen grauen Steingutfässchen von damals …

Zwetschgen Spies

Rezept: Pflaumenmus

4 kg gewaschene und entsteinten Zwetschgen mit 800 gr. Zucker vermischen und im Topf über Nacht stehen lassen. Am nächsten Tag durchrühren. Dann einmal aufkochen, dabei nicht rühren. Die Masse in eine Reine umfüllen und im Ofen bei 150 Grad ca.  5-6 Stunden köcheln lassen, pürieren und noch heiß in Schraubgläser füllen. Das Mus kan mit Zimt, Rum oder Slibowitz verfeinert werden.

Pflaumenmarmelade

PS: In Erinnerung an Luise Zörlaut, Augusta Platzer und Anna Bauer

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Ein Kommentar zu “Liebe Luise

  1. Die Fotos sind sehr schön geworden und das fertige Pflaumenmus sieht auch lecker aus! Mhmhm…
    Ich habe das auch schon selbst gemacht. Den Topf wieder sauber zu bekommen, war eine Sisiphosarbeit, dafür war das Pflaumenmus überzeugend.

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